Freitag, 1. Juli 2016

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Schule
15. April 2016 05:36; Akt: 15.04.2016 14:18Print
Kinder von Motz-Eltern kriegen bessere Noten
von B. Zanni - Eltern setzen Lehrer vermehrt unter Druck. Um sich keine Probleme aufzuhalsen, geben Lehrer mit höheren Noten oft klein bei.

Schulleistungen zu benoten, ist für Schweizer Lehrer oft eine Zitterpartie. Eltern wollen bei Prüfungs- und Zeugnisnoten vermehrt das letzte Wort haben. Eine Primarlehrerin gesteht in der Zeitschrift «Bildung Schweiz»: «Manchmal benote ich das Kind weniger streng, einfach, um meine Ruhe zu haben.» In Ruhe gelassen werden will sie von einem Elternpaar, das ihr den Berufsalltag zur Hölle macht. «Sie schauen mir genau auf die Finger, überprüfen die Lernziele, fragen nach Belegen für dies und jenes.»
Umfrage
Sind Sie mit der Bewertung Ihrer Schulleistungen zufrieden?
Ja. 17 %   Nein. 5 %   Nicht immer. 15 %
Ja, aber ich habe auch etwas Druck auf meinen Lehrer ausgeübt. 2 %
Nein. Dabei habe ich dem Lehrer doch deutlich gemacht, dass ich bessere Noten verdient habe. 3 %
Ich gehe nicht mehr zur Schule und war immer einverstanden. 22 %
Ich bin kein Schüler mehr und fand, dass meine Leistungen selten gerecht bewertet wurden. 12 %
Als Schüler war ich manchmal anderer Meinung. 24 %
Insgesamt 829 Teilnehmer

Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerverbands, bestätigt: «Aus Angst vor einem grossen Elternknatsch machen Lehrer aus einer 4 eine 4,5 oder aus einer 4,5 eine 5.»Für die Lehrer sei es schwieriger geworden, Noten zu geben und Leistungen zu beurteilen.
«Vor allem bei den mündlichen Noten wird gefälscht»
Auch Beat Zemp, Präsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, berichtet, dass Eltern vereinzelt versuchten, Lehrer bei der Notengebung unter Druck zu setzen. «Vor allem bei der Bewertung der mündlichen Leistungen wird gefälscht.» Weil sich die Noten für das Mitmachen im Unterricht weniger klar mit Fakten begründen liessen, würden einige Eltern die Notengebung hinterfragen. «Besonders Lehrer, die eine Stelle frisch angetreten hätten, gäben bei massivem Druck manchmal nach.» Andere wollten sich solche Probleme gar nicht aufhalsen und verzichteten deshalb ganz auf mündliche Noten.
Laut den Lehrervertretern mischen sich oft sogenannte «Helikopter-Eltern», also überbehütende Eltern, ein. «Sie rufen permanent an, schicken E-Mails und geben durch, welche Noten ihr Kind braucht», sagt Lilo Lätzsch. Wie die Verbände sagen, wollen solche Eltern ihren Sprösslingen damit den Übertritt ins Gymnasium erleichtern oder sie für die Lehrstellensuche mit Bestnoten ausrüsten.
Behörden helfen Eltern
Warum knicken Lehrer ein? Laut den Lehrervertretern drohen einige Eltern mit Anwälten oder Konsequenzen, falls die Lehrer die Noten nicht anpassen. Manche Eltern hetzen den Lehrern sogar direkt die Behörden auf den Hals.
«Die Schulbehörden ergreifen dann allenfalls gleich Massnahmen», sagt Kathrin Scholl, stellvertretende Geschäftsführerin des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands. Etwa müssten die Lehrer sämtliche Noten mit der Schulleitung absprechen. Da Schulpflegen gewählt werden müssten, seien sie weniger unabhängig, so Scholl. Laut Beat Zemp hat die mühsame Elternarbeit sogar auch schon zu Berufsausstiegen geführt.
«Das ist verfassungswidrig»
Für Schulrechtsexperte Peter Hofmann ist klar: «Nur weil Herr Müller oder Frau Meier Stunk machen, dürfen Lehrer dem Schüler noch lange keine Gefälligkeitsnoten verteilen.» Bewerteten Lehrer unter Druck anders, als es der tatsächlichen Leistung entspreche, würden sie die Bundesverfassung verletzen. Darin steht, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind.
Um das Problem zu bekämpfen, fordert Kathrin Scholl: «Die Schulleitungen und die Schulbehörden müssen die Lehrer in der Elternarbeit mehr unterstützen.» Laut Hofmann müssen die Schulen die Rollenklarheit zwischen Lehrern und Eltern wieder herstellen. «Für die Notengebung sind die Lehrpersonen allein verantwortlich, denn sie sind die Fachleute für das Lernen.»
Die beliebtesten Leser-Kommentare
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Barbara94 am 15.04.2016 05:48 via via MobileReport Diesen Beitrag melden
unglaublich!
Was denken diese Eltern eigentlich?! werden die in der Lehre des Kindes, vorausgesetzt mit falschen Noten findet es eine, dann auch ständig dem Lehrer drohen mit den Behörden etc?!! Von der Behörde wiederum schwach dass der Lehrer jetzt alle Notengebungen absprechen muss, dabei hätten die hinter den Lehrern stehen sollen und den Eltern klar und deutlich erklären dass benotet wird nach der wirklich erbrachten Leistung!
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Arcon am 15.04.2016 05:54 via via MobileReport Diesen Beitrag melden
Verzwicktes System
Die Lehrperson sollte fair benoten und nicht dem Druck der Eltern nachgeben. Bei schwierigen Eltern soll Schulleitung und Behörde die Lehrperson tatkräftig unterstützen und sich keinesfalls einschüchtern lassen wenn Eltern mit dem Anwalt drohen. Anderseits gibt es eben auch nicht qualifizierte Lehrpersonen. Hier muss Schulleitung und Behörde auch handeln und nicht einfach wegschauen und die Lehrer schützen. Mehr Mut und Charakter ist hier bei Lehrperson, Schulleitung und Behörde gefragt.
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Ralph am 15.04.2016 05:56Report Diesen Beitrag melden
Froh keine LP zu sein
Mann bin ich froh keine Lehrperson zu sein! Das muss ein ganz schwieriger Job sein. Und es scheint immer schwieriger zu werden...
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Hessin am 15.04.2016 13:55Report Diesen Beitrag melden
Resignation vor dem massiven Druck
Tja, was soll man dazu sagen. Ein Erdogan kriegt ja auch einen Böhmermann dran. Gleiches Prinzip, nur auf öffentlicher Weltbühne, das ist der einzige Unterschied im Kartenhaus der Bestechlichkeiten.
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Nicolas D. am 15.04.2016 13:51 via via MobileReport Diesen Beitrag melden
Lehrer bleibt objektiv!
Ich denke, dass Lehrpersonen, die nicht in der Lage sind, die Leistungen ihrer Schüler objektiv zu beurteilen, den falschen Beruf gewählt haben. Mit diesem skandalösen Verhalten schaden sie ihren Schülern massiv. Wird an den Pädagogischen Hochschulen der Umgang mit renitenten Eltern nicht geübt?
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Lehrpersona non grata am 15.04.2016 13:21Report Diesen Beitrag melden
Hinterfragen ist ok
Obwohl ich bereits einige Jahre als Lehrperson tätig bin, ist mir diese Situation noch nie untergekommen. Grundsätzlich finde ich es absolut in Ordnung, dass die Lehrperson angezweifelt werden darf. Willkür ist nicht weniger ätzend, als Drohen auf hohem Niveau. Diese Einstellung zwingt mich als Lehrperson dazu, meine Notengebung zu hinterfragen und argumentativ begründen zu können. Denn eines ist sicher, über Noten verhandle ich nicht. Wenn jedoch eine 21-jährige LP frisch ab PH nicht weiter weiss, ist das verständlich. Hier ist die PH gefragt, denn dieses Thema wird sträflich vernachlässigt.
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Motzelter am 15.04.2016 13:19Report Diesen Beitrag melden
Ist doch ganz gut
Also für mich gäbe es im Lehrerberuf nichts besseres als dem Kind von solchen Eltern mal ein fettes ungenügend aufzudrücken (wenn verdient). Würde mich das ganze Semester auf die Elterngespräche freuen, bei solchen Eltern, da hat man am Ende einen schönen Assi-Moment, den man noch seinen Kindern erzählen kann.
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Sandy am 15.04.2016 13:15 via via MobileReport Diesen Beitrag melden
Vertrauen in die Lehrer
Also ich vertraue dem Urteilsvermögen der Lehrerinnen meiner Kinder. Wenn die Noten schlecht wären, würde ich höchstens fragen, ob mein Kind in die Nachhilfe sollte oder was ich tun kann um ihm beim lernen zu helfen. Gute Noten die nicht verdient sind, machen ja auch gar keinen Sinn.

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